Zuviel Nitrat im Grundwasser

Überdüngte Böden lassen in vielen Regionen Deutschlands die Nitratwerte im Grundwasser ansteigen, warnte am Dienstag (14.07.2015) der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und fordert schnelles Handeln. Schuld sei vor allem die Landwirtschaft.

 

 

Nitrat
Unser versautes Wasser

"43 Prozent der Grundwässer weisen bereits Nitratgehalte zwischen 25 und 50 Milligramm pro Liter auf", sagt Jörg Simon vom BDEW in Berlin. Das betrifft teilweise auch die Trinkwasserversorgung. 44 Prozent des Trinkwassers bezieht NRW aus dem Grundwasser. Deutschlandweit liegt dieser Anteil bei fast zwei Dritteln. Ursache für die Nitratbelastung sei vor allem die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Dadurch seien über ein Viertel der etwa 1.000 abgegrenzten Grundwasservorkommen hierzulande nicht in dem von der EU geforderten "guten Zustand". Viele Wasserversorger könnten den Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter nur durch Notlösungen - etwa das Mischen mit unbelastetem Wasser - unterschreiten. Der Verband kritisiert massive Verzögerungen bei der Nitrat-Reduzierung.

"Auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertagt"



Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe und BDEW-Vizepräsident Wasser/Abwasser
Jörg Simon vom BDEW

Die Verzögerungstaktik zeige sich an vielen Stellen im neuen Verordnungs-Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums: Danach soll zunächst eine Bund-Länder-Gruppe klären, wie die Stickstoffbelastungen ermittelt und wie viel Düngung künftig erlaubt werden soll. "Erst wenn diese Klärung gelungen ist, soll dies irgendwann in der Zukunft mit einer weiteren Novellierung der Düngeverordnung oder vielleicht auch einer Rechtsverordnung rechtlich verpflichtend festgelegt werden", sagt Simon. Eine Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie würde so frühestens in fünf bis zehn Jahren beginnen. Simon: "Damit würde die Bekämpfung der Nitratbelastung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertagt."

Zudem werde der "Gülle-Tourismus" aus Holland, Dänemark oder Belgien in dem Verordnungs-Entwurf nur unzureichend eingeschränkt, so der Verband. "Aufgrund der langen Sicker- und Fließzeiten durch die Bodenschichten lässt sich Nitrat erst mit Verzögerung im Grundwasser nachweisen", erläutert Simon. Das heißt: Selbst, wenn ab sofort kein Nitrat mehr in den Boden gelangt, kann es Jahrzehnte dauern, bis der Nitratgehalt im Grundwasser wieder sinkt.

Remmel will weniger Gülle


Eine Traktor mit einem Gülle-Anhänger bei Münster
Seit 20 Jahren keine Verbesserung bei der Nitratbelastung

Nach dem jüngsten NRW-Nitratbericht (November 2014) sind rund 40 Prozent der Grundwassergebiete in NRW so stark mit Nitraten belastet, dass dort kein Trinkwasser ohne Aufbereitung gewonnen werden kann. Der Bericht zeige, dass in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten im Norden und Westen von NRW die Nitratkonzentrationen seit über 20 Jahren gleichbleibend hoch oder steigend seien, so Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne). Ein Grund für die hohe Belastung sei ein zu großer Eintrag von Nährstoffen auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere durch erhebliche Mengen von Gülle aus Schweine-, Rinder- oder Hühnerhaltung und Gärresten aus Biogasanlagen. "Ich halte es grundsätzlich für erstrebenswert, dass auf einem landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr Gülle anfällt, als auf eigenen Flächen ausgebracht werden kann", so Remmel.

[Quelle: wdr.de]